Das Wichtigste auf einen Blick:

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie werben viele Versicherungen damit, dass die angebotene Berufsunf√§higkeitsversicherung auch bei infektionsbedingtem Berufsverbot zahlt. Insbesondere Finanzvertriebe mit Spezialisierung auf √Ąrzte und √Ąrztinnen bringen dieses Thema immer wieder ins Gespr√§ch. Aus unserer Sicht handelt es sich dabei um Werbung mit Selbstverst√§ndlichkeiten. Obwohl die sogenannte Infektionsschutzklausel in Berufsunf√§higkeitsversicherungen f√ľr √Ąrzte und √Ąrztinnen h√§ufig als absolutes Muss angepriesen wird, ist sie bei den meisten Policen redundant. Begr√ľndet liegt dies in folgenden drei Aspekten:

  • Die meisten Policen decken den Fall eines T√§tigkeitsverbots nach dem Infektionsschutzgesetz bereits mit anderen Klauseln ab, auch wenn diese T√§tigkeitsverbote nicht explizit erw√§hnen. Zauberwort hierbei: Die mittelbare Berufsunf√§higkeit.
  • Der Gesetzgeber garantiert bei beh√∂rdlicher Anordnung von T√§tigkeitsverboten einen Einkommensausgleich f√ľr die Dauer des Verbots. Somit ist fraglich, ob eine zus√§tzliche Absicherung wirklich notwendig ist.
  • Inzwischen hat beinahe jede BU-Versicherung entsprechende Infektionsklauseln ‚Äď meist sogar f√ľr alle Berufe. Es gibt einige Klauseln, die einen minimalen Mehrwert f√ľr dich als Kunde darstellen k√∂nnen. Uns ist aber kein Leistungsfall bekannt, wo sich dies tats√§chlich als das ber√ľhmte Z√ľnglein an der Waage herausstellte.

Beitrag Inhaltsverzeichnis:

1. Warum √Ąrztinnen und √Ąrzten T√§tigkeiten untersagt werden ‚Äď und wie die Infektionsklausel helfen soll.

2. Eine Infektionsklausel ist kein Luxus.

3. Worauf anstatt der Infektionsklausel geachtet werden muss.

4. Achtung ‚Äď Die Infektionsklausel im Verkaufsgespr√§ch.

5. Warum die Infektionsklausel eigentlich √ľberfl√ľssig ist ‚Äď Mittelbare Berufsunf√§higkeit als Leistungskriterium

6. Gesetzliche Absicherung durch § 56 IfSG

7. Fazit

1. Warum √Ąrzten und √Ąrztinnen T√§tigkeiten untersagt werden – und wie die Infektionsklausel helfen soll

DOC-BU - Warum √Ąrzten und √Ąrztinnen T√§tigkeiten untersagt werden ‚Äď und wie die Infektionsklausel helfen soll

Laut ¬ß 31 des Infektionsschutzgesetzes kann das Gesundheitsamt Personen, die potenziell dazu geeignet sind, bestimmte Krankheiten zu √ľbertragen, die Aus√ľbung ihrer beruflichen T√§tigkeit vollst√§ndig oder teilweise untersagen.

Dadurch soll eine weitere Verbreitung solcher Infektionen vermieden werden. F√ľr die Betroffenen hingegen bedeutet dieses Berufsverbot, dass sie f√ľr den Zeitraum der Infektion nicht ihren regul√§ren T√§tigkeiten nachgehen k√∂nnen. Gleichzeitig sind sie jedoch nicht unmittelbar berufsunf√§hig, da sie k√∂rperlich wie auch geistig weiterhin zur Aus√ľbung ihres Berufs in der Lage w√§ren.

Eine Infektionsklausel dient dazu, in einem solchen Fall zu garantieren, dass keine finanziellen Einbu√üen entstehen. Zu diesem Zweck legt sie gesondert vertraglich fest, dass ein Leistungsanspruch auch dann besteht, wenn dem Versicherten die Aus√ľbung seiner T√§tigkeit beh√∂rdlich gem√§√ü ¬ß 31 IfSG verboten wird.

2. Eine Infektionsklausel ist kein Luxus

Die Schlussfolgerung, dass eine Berufsunf√§higkeitsversicherung f√ľr √Ąrzte und √Ąrztinnen eine Infektionsklausel haben sollte, ist also naheliegend ‚Äď schlie√ülich sind sie tagt√§glich in Kontakt mit Patienten. Deshalb f√ľhren Versicherungsvermittler und Vermittlerinnen diese h√§ufig als Argument f√ľr die Police an, die sie verkaufen wollen.

Um ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal handelt es sich jedoch nicht; eine Infektionsschutzklausel ist in einer Berufsunf√§higkeitsversicherung f√ľr Medizinerinnen und Mediziner meist ohnehin enthalten und bringt lediglich bestehende Leistungskriterien in Bezug zu T√§tigkeitsverboten.

3. Worauf anstatt der Infektionsklausel geachtet werden muss

DOC-BU - Worauf √Ąrzte anstatt der Infektionsklausel achten sollten

Da die meisten Infektionsklauseln dem Arzt bzw. der √Ąrztin folglich keinen wirklichen Mehrwert bieten, sollten sie kein Entscheidungskriterium f√ľr oder gegen eine Police darstellen. Lies unbedingt unseren Leitartikel„Die beste Berufsunf√§higkeitsversicherung f√ľr √Ąrzte und √Ąrztinnen“

Infektionsklausel: Welche Kriterien m√ľssen erf√ľllt sein, damit Anspruch auf Leistungen besteht?

In der Praxis kommt es nur selten vor, dass √Ąrztinnen und √Ąrzten ein vollst√§ndiges Berufsverbot aufgrund einer Infektion erteilt wird. So k√∂nnte ein Arzt und eine √Ąrztin, der oder die selbst nicht mehr behandeln darf, dennoch gutachterliche, administrative oder beratende Aufgaben wahrnehmen. Jedoch ist bei einigen Policen das vollst√§ndige Verbot Voraussetzung f√ľr einen Leistungsanspruch gem√§√ü der Infektionsklausel. Besser w√§re es, im Kleingedruckten w√ľrde ebenfalls eine teilweises T√§tigkeitsverbot ber√ľcksichtigt werden. Achtung- einige Versicherer schlie√üen die Infektionsklausel f√ľr Studies der Humanmedizin aus.

Leistungsanspruch: Wie lange muss das Verbot zur Berufsaus√ľbung bestehen, damit die Versicherung zahlt?

Voraussetzung f√ľr Leistungen aus der Berufsunf√§higkeitsversicherung ist, dass f√ľr einen vertraglich festgelegten Zeitraum die Berufsaus√ľbung nachweislich nicht m√∂glich war. Zwar werden Leistungen im Versicherungsfall auch r√ľckwirkend gezahlt, jedoch besteht √ľberhaupt kein Anspruch, wenn dieser Mindestzeitraum nicht erf√ľllt ist. Zum Beispiel kann es sein, dass im Fall von Corona durch die Infektion bei der BU f√ľr √Ąrzte und √Ąrztinnen kein Leistungsanspruch erw√§chst, da die angeordnete Quarant√§ne nicht lang genug war, um den Kriterien gerecht zu werden.

4. Achtung: Falle РDie Infektionsklausel im Verkaufsgespräch

Zwar macht eine Infektionsklausel f√ľr den Arzt/ die √Ąrztin die BU auf keinen Fall schlechter, Vorsicht ist aber trotzdem geboten, wenn sie als Hauptverkaufsargument angef√ľhrt wird: H√§ufig will der Berater damit √ľber andere, weniger vorteilhafte Aspekte seiner Police hinwegt√§uschen. Auch ein Aufschlag f√ľr die Infektionsklausel ist ein eindeutiges Warnsignal bei der Beratung. Es macht also Sinn, genau zu lesen und zu hinterfragen.

5. Warum die Infektionsklausel eigentlich √ľberfl√ľssig ist ‚Äď Mittelbare Berufsunf√§higkeit als Leistungskriterium

DOV-BU - Warum die Infektionsklausel in der BU-Versicherung eigentlich √ľberfl√ľssig ist

Hinzu kommt, dass die Klausel in vielen F√§llen redundant ist: „mittelbare Berufsunf√§higkeit“ hei√üt hier das Stichwort. So definiert ¬ß¬†172 des Versicherungsvertragsgesetzes, der die BU regelt, die Berufsunf√§higkeit.

Dieser definiert sich als einen Zustand, der unter anderem „infolge Krankheit“ eintritt und somit kein Wort davon, ob diese mit unmittelbaren Einschr√§nkungen verbunden sein muss.

  • Somit hat auch ohne Infektionsschutzklausel ein Arzt/eine √Ąrztin bei der BU ohnehin einen Leistungsanspruch, wenn ein T√§tigkeitsverbot gem√§√ü ¬ß 31 IfSG mindestens 50 % seiner beruflichen T√§tigkeiten √ľber einen hinreichend langen Zeitraum untersagt.
  • Dabei gilt der Grundsatz, dass pr√§gende T√§tigkeiten, im Falle eines Arztes und einer √Ąrztin also die Behandlung von Patienten und Patientinnen, besonders ins Gewicht fallen. Ist diese nicht mehr m√∂glich, handelt es sich also h√∂chstwahrscheinlich zumindest um eine teilweise Berufsunf√§higkeit.

  • Gleichzeitig r√§umt ¬ß 172 VVG Ziffer 3 jedoch ein, dass Versicherer das Recht haben, Vereinbarungen zu treffen, durch die bei der M√∂glichkeit zur Aus√ľbung von Ersatzt√§tigkeiten der Leistungsanspruch verf√§llt.

6. Gesetzliche Absicherung durch § 56 IfSG

Ferner bietet das Infektionsschutzgesetz selbst ebenfalls ein Rettungsnetz in Form des ¬ß 56 IfSG: Dieser sieht vor, dass bei beh√∂rdlich angeordneten Ma√ünahmen wie einer Quarant√§ne oder einem T√§tigkeitsverbot Entsch√§digung f√ľr den dadurch entstehenden Verdienstausfall geleistet wird. √Ąhnlich wie beim Krankengeld berechnet sich dieser nach dem Nettoverdienst, wobei f√ľr die ersten sechs Wochen der volle Betrag und in der folgenden Zeit 67 % davon erstattet werden.

Besonders da bei Krankheiten wie Corona die Infektion bei der BU f√ľr √Ąrzte und √Ąrztinnen wegen zu kurzer Dauer keinen Leistungsanspruch ausl√∂st, ist daher die Notwendigkeit einer separaten Infektionsklausel fraglich.

7. Fazit

Wird die Infektionsschutzklausel einem Arzt/ einer √Ąrztin in der BU-Beratung explizit angeboten, handelt es sich dabei in den meisten F√§llen um reines Blendwerk. Anders als bei Berufsunf√§higkeitsversicherungen f√ľr √Ąrzte und √Ąrztinnen die Infektionsklausel oft vermarktet wird, ist sie kein besonderes Alleinstellungsmerkmal. Umgekehrt sollte es hingegen stutzig machen, wenn der Versicherungsvermittler die Infektionsklausel als ausschlaggebendes Verkaufsargument anf√ľhrt ‚Äď oft wird dadurch versucht, andere M√§ngel der Police im Beratungsgespr√§ch zu unterschlagen.

Andererseits erf√ľllen T√§tigkeitsverbote aufgrund von Infektionsgefahr das Kriterium der mittelbaren Berufsunf√§higkeit, weshalb bei Erf√ľllung der sonstigen Leistungsgrenzen ohnehin ein Leistungsanspruch besteht ‚Äď selbst wenn dieser nicht explizit durch eine Infektionsklausel abgedeckt ist. Ferner existieren im Fall eines T√§tigkeitsverbots nach ¬ß 31 IfSG gesetzliche Absicherungen, die Verdienstausf√§lle kompensieren, sodass kurzfristig gar nicht erst der Bedarf nach zus√§tzlicher Absicherung entsteht.

Genauso h√§ufig versteckt sich der Teufel allerdings in den Details; so kann die Infektionsklausel in einigen Policen tats√§chlich einen minimalen Mehrwert bieten und komplizierte Antragsvorg√§nge vereinfachen. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, sich vor Abschluss einer BU kompetent beraten zu lassen. Gerne stehen wir als DOC-BU Insider daf√ľr zur Verf√ľgung ‚Äď auch, wenn du dir eine zweite Meinung zu deinem bestehenden Vertrag einholen m√∂chtest.

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Schema Beratungsprozess einer BU fuer Aerzte und Mediziner

√úber die Autoren Janine Kreiser & Michael Schreiber

Die DOC-BU Insider und die Verfasser der Wiki-Artikel sind Janine Kreiser und Michael Schreiber. Wir beraten deutschlandweit berufsstartende √Ąrztinnen und √Ąrzte sowie Medizinstudentinnen und Medizinstudenten im Bereich der Berufsunf√§higkeitsversicherung (BU). Als freie Arzt-Berater helfen wir dir dabei, die f√ľr dich beste Berufsunf√§higkeitsversicherung herauszufiltern.

Da sie die wichtigste Versicherung f√ľr dich ist, haben wir es uns mit diesem Arzt-BU-Wiki zur Aufgabe gemacht, dir alle Informationen an die Hand zu geben.

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